Cannes 2009: Die Jagd nach der Goldenen Palme – ein Überblick (Teil 1)
Heute ist es soweit. Zum 62. Mal lockt die begehrte Palme Stars, Produzenten, Regisseure und vor allem Journalisten aus aller Welt an die Cote D`Azur zum internationalen Cannes Filmfestival.
Erstmalig werden heute in Cannes die 3D-Brillen aufgesetzt, denn der Pixarfilm „Up“ wird als erster Animationsfilm in der Geschichte von Cannes das Festival eröffnen. Thema: Ein alter Mann lässt mithilfe tausender Luftballone sein Haus durch die Welt fliegen und muss schließlich entdecken, dass er einen Hausbesetzer hat. Wie es scheint, haben nun die ersten Regisseure erkannt, dass in Zeiten der Wirtschaftskrise die Mieten immer teuer werden – der Film lädt quasi zum Nachmachen ein.
Apropos Wirtschaftskrise: Als einziger Amerikaner ist diesmal Quentin Tarantino am Start im Rennen um die Goldene Palme. Vielleicht kann er mit seinem Weltkriegsdrama „Inglourious Basterds“ (Brad Pitt spielt einen Nazikiller und schiebt zwei Stunden lang sein Kinn nach vorne) sein Glück von 1994 wiederholen, als er für „Pulp Fiction“ erstmals die Goldene Palme abstaubte.
…und weil man schon in Erinnerungen schwelgt: Vor 17 Jahren wurde das erste Mal in der Geschichte des Festivals eine Frau ausgezeichnet. Die neuseeländische Regisseurin Jane Campion konnte 1992 für „Das Piano“ die Trophäe entgegennehmen. Dieses Jahr ist sie erneut nominiert – für ihren Film „Bright Star“. Das Drama basiert auf dem Leben und Lieben von John Keats – neben Lord Byron einer der wichtigsten Vertreter der englischen Romantik – und dessen äußerst produktiver Schreibphase während er verliebt war. Dennoch keine Liebesgeschichte, sondern ein Drama, weil der Dichter mit 25 Jahren stirbt (NEIN, das ist kein Spoiler: Filme, die auf wahren Begebenheiten beruhen, haben nun einmal den Nachteil, dass man das Ende auf Wikipedia nachlesen kann).
Gespannt darf man auch auf Michael Haneke’s „Das weiße Band“ sein. Der Regisseur geht bereits zum sechsten Mal ins Rennen (wir berichteten). Eine Dorfschule im Jahr 1913 in Norddeutschland, kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges. Merkwürdige Unfälle nehmen immer mehr den Charakter von rituellen Bestrafungen an. Wer sich an „Funny Games“ und „Die Klavierspielerin“ erinnert, weiß, mit welch einfachen Mitteln Haneke eine Inszenierung erschaffen kann, die den Zuschauer bannt und gleichzeitig erschüttert.
Morgen widmen wir uns im flimmit-Blog drei weiteren Nominierten: Lars von Trier, Pedro Almodóvar und Andrea Arnold. Übrigens: Cannes-Feeling für zuhause kann man sich auch über flimmit holen. Wie das geht? Einfach HIER klicken…
Eure Irene aus der flimmit-Redaktion
