Cannes 2009 – Auf der Jagd nach der Goldenen Palme (Teil 5): Langatmiges skalpieren
Zwischenbilanz Cannes: Zuerst der Gossip, um die Sensationslust zu befriedigen, die niemand gerne zugibt, aber dennoch sooo schön ist. Brad Pitt und Angelina Jolie sind entweder tatsächlich sehr gute Schauspieler oder an den Trennungsgerüchten ist nichts dran. Verliebt, knutschend und in eleganter, altrosa Robe eingehüllt (Angelina, nicht Brad) ließen sich die Beiden brav fotografieren, keine Zickereien, keine Bestätigung einer Krise. Bill Clinton versteigerte sein geliebtes Saxophon auf der Aids-Gala in Cannes für den guten Zweck. Sharon Stone führte durch die Show. Die Beiden sind ja bereits Profis für Aids-Charity-Events, auf dem Wiener Life Ball machten sie schon eine gute Figur. Und außerdem kam „Twilight“-Star Robert Pattinson zur Premiere von „Inglourious Basterds“.
So, das muss vorerst die Tratschsehnsüchte befriedigen. Kommen wir zu den ersten Reaktionen aus den Kinosälen selbst. Wenn man auf einen Tarantino Film wartet, kann man unmöglich vermeiden, den aktuellen an seinen alten Werken zu messen. Und er hat die Messlatte hoch gelegt: “Pulp Fiction” oder “Kill Bill” bleiben in Erinnerung. Und dann sieht man „Inglourious Basterds“ – wird er in typischer Tarantino-Manier sein? Wird der Soundtrack wieder als Must-Have sämtlicher Studenten-WG’s gehandelt? Werden es Zitate in den täglichen Sprachgebrauch schaffen? („I love you, Pumpkin….Everybody be cool, this is a robbery!“) Diesmal scheint das nicht der Fall zu sein. „Der Spiegel“ spricht von „so vielen Längen, als handle es sich um die erste Rohschnittfassung“.
Und der eigentliche Star des Films scheint nicht Brad Pitt zu sein, sondern Christoph Waltz, der einen Schnüffler spielt, und die Zügel in der Hand hält. Anscheinend beschränkt sich Pitts Rolle auf eine schneidige Rede und das Kommando zu geben, möglichst viele Nazi-Skalps zu ergattern. Unerwartet bei der Premiere war auch, dass ein Mainstream-Film, auch wenn diese oft im billigerem Ausland gedreht werden, von Fremdsprachen dominiert wird, in diesem Fall deutsch und französisch. Übrigens war der deutsche Sprachtrainer niemand geringerer als Tom Twyker.
Wie sich die anderen bisherigen Filme geschlagen haben, könnt ihr morgen lesen. Dann kommt der umstrittene Lars von Trier Film „Antichrist“ auf den Prüfstand.
Bis morgen, gehabt euch wohl, Irene
