15 Jahre New Queer Cinema in Wien: “identities” von 4. – 12.06.2009
Gestern am 4. Juni war der Startschuss des achttägigen „identities – New Queer Film“- Festivals in Wien. Aber was heißt eigentlich „Queer“? Die Meisten verbinden damit schlichtweg „Schwulenfilme“ – so einfach ist es aber nicht. Daher kommt heute ein kleiner Einsteiger-Crashkurs für Beginner.
Der Name „New Queer Cinema“ entstand erstmals in den Filmfestivals Anfang der 90er Jahre. Vor allem zeichnet sich diese Bewegung durch folgende Punkte aus:
Queer-Filme sprachen nicht nur die rein homosexuelle Gemeinschaft an, sondern richteten sich auch an Minderheiten (z.B. Schwarze, Hispanos etc.). Zweitens verschönerten sie nicht die dazumal „unmoralischen“ Züge der Protagonisten (vgl. Genet’s Un Chant d’Amour). Weiters trotzen sie der homophoben Vergangenheit. Als vierter Punkt ist zu sagen, dass sich das Queer Cinema gegen die Konventionen bezüglich der vorherrschenden Norm in Sachen Form, Inhalt und Genre wehrt. Kurz gesagt: Es lehnt sich gegen die gängige Produktion von Mainstream-Filmen auf. Zum Schluss muss das Merkmal angeführt werden, dass sich das Queer Cinema intensiv mit dem Thema Tod auseinandersetzt – allerdings in einer nicht unbedingt negativen Art und Weise (z.B. erwacht in Zero Patience der erste an AIDS Verstorbene wieder zum Leben). Der Begriff “Queer” kann als Überbegriff für die Bezeichnungen schwul, lesbisch, bisexuell, transgender gesehen werden. Heute besagt queer ganz einfach, dass man/frau nicht den gängigen Konventionen entspricht.
Anfangs waren die „Queer“-Filme eingegliedert in die Viennale, seit 2003 ist „identities“ unabhängig, das zweitgrößte Festival in Wien und feiert 2009 sein 15-jähriges Jubiläum. Mittlerweile sind Queer-Filme auch schon im Mainstreambereich angekommen. Filme wie „Hedwig and the Angry Inch“, „Shortbus“, „Breakfast on Pluto“, „Tarnation“ und „Boys don’t cry“ haben es – vielleicht nicht in Multiplexe, aber doch in kleinere Kinos geschafft. Und „Milk“-Hauptdarsteller Sean Penn wurde dieses Jahr sogar mit dem Oscar für die beste Hauptrolle ausgezeichnet.
Auch dieses Jahr bietet „identities“ wieder viele sehenswerte Filme. Über die Highlights berichten wir demnächst im flimmit-Blog! Und eine kleine Anekdote zum Abschied (wenn wir schon mal beim Thema Queer sind): Regisseur William Wyler gab Schauspieler Jack Hawkins (er spielte die Rolle des Quintus Arrius) bei den Dreharbeiten zu “Ben Hur” die Anweisung, er solle so tun, als wäre er in Judah Ben Hur (Charlton Heston) verliebt. Jedoch sollte er davon auf keinen Fall Heston erzählen, da dieser bekanntermaßen nicht der größte Fan von Homosexuellen war…
