“identities 09″ – Von perversen Situationen und brutalen Polizisten
Vier Tage hat es gedauert – dann war im Vorverkauf keine Karte mehr für die Urauführung „Verliebt, Verzopft, Verwegen“ von Katharina Lampert und Cordula Thym zu bekommen. Die Optimisten konnten noch wenige Restkarten an der Abendkassa ergattern. Ebenso groß war der Ansturm auf den deutschen Coming-of-Age-Eröffnungsfilm „Mein Freund aus Faro“, der im Gartenbaukino gespielt wurde. Dabei wird die junge Mel von der Anhalterin Jenny für einen männlichen Portugiesen gehalten. Sie ergreift die Möglichkeit und erfindet sich vollkommen neu. Es kommt, wie es kommen muss, wenn die jugendlichen Hormone überschwellen: Die beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander.
Neben preisgekrönten Filmen wie „Milk“ mit Sean Penn, versucht das „identities“ eine breite Queer-Palette abzudecken: Von Roadmovies bis Musicals, von Krimis über Film Noir ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ein besonderer Fokus liegt heuer ganz klar auf den 60er und 70er Jahren. Das ist vor allem durch den 40. Jahrestag der Stonewall Riots bedingt – der “offizielle” Beginn der Schwulenbewegung. 1969 fand eine Serie von gewalttätigen Konflikten zwischen Homosexuellen und Polizisten in New York statt, nachdem diese eine Razzia im „Stonewall Inn“ durchführten, einer Bar mit schwulem Publikum in der Christopher Street.
Bemerkenswert und echte Gustostückerl sind vor allem alte Klassiker und wiederentdeckte Dokumentationen. So etwa Rosa von Praunheims „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“. Der Film wurde in den 70ern aus Kostengründen als Stummfilm gedreht, anschließend mit einer Off-Stimme versehen und behandelt das Leben der Schwulen als Subkultur. Die Moral von dem Film war allerdings, das die schlechten Situationen, in denen Schwule lebten, von ihnen selbst verursacht wurden. Durch den Aufruf, ihre Angst zu überwinden und aus ihren Verstecken zu kommen, wurde der Film zu einem Auslöser der deutschen Schwulenbewegung und sorgte für einen Skandal.
Bis zum 12. Juni 09 können Interessierte in den Spielstätten des Festivals (Filmcasino, Top Kino, Gartenbaukino und das Cinematic in Wien) ab 18 Uhr dem Sog guter Filme erliegen. Am Wochenende beginnt das Programm für Frühaufsteher bereits um 12 Uhr.
Viel Spaß, eure Irene
