Affären à La Carte: Generation Obsession – stilvoll serviert
Ein (etwas gruseliger) Blick in die Zukunft ist der Film „Affären à La Carte“ für alle Kinofans unter 30, die in einer Großstadt leben, gerade ihre Karriere planen und sich langsam auf Beziehungen einlassen. Und so lernt der Twen, dass zwar die Karriere einigermaßen laufen wird, ein Haus oder eine schöne Wohnung keine Utopie mehr ist, vielleicht auch eine Heirat drinnen ist – aber der Rest läuft genau so ab, wie auch schon in den rebellischeren Jugendjahren. Nur ein bisschen stilvoller. Da fliegen schon mal verbale Messer und schneiden ins Fleisch, und die Retourkutsche folgt sofort.
Zwei verheiratete Paare, eine Salsalehrerin, ein verliebter Tapezierer, und das unorthodoxe Paar, wo Er ungefähr 30 Jahre älter ist und sich besser mit ihrem Vater als mit Ihr versteht – diese bunt gemischte Truppe trifft sich in einer schönen Bobo-Wohnung zu einem Dinner. Und der Ausgang, obwohl nicht wirklich dramatisch dargestellt, ist für alle lebensverändernd: Fremdgehen, ein Unfall und Karrieresprünge.
Die Dinnergäste in “Affären à La Carte” bewahren dennoch immer Haltung: Es gibt kein Geschrei, niemand lässt sich volllaufen, auch von pathetischen Tischreden wird abgesehen. Hinter vorgehaltener Hand kultivierte Antipathien kommen gelegentlich zum Vorschein, um dann schnell weggelacht zu werden. Es wird lieber ein bisschen geheuchelt als offen gekämpft, jeder will den Abend so schadlos wie möglich überstehen. Wie sehr aber dieser Abend doch Auswirkungen auf jeden Einzelnen hat, zeigen die Einblendungen von einem Jahr danach.
Affären à La Carte ist ein wahres Feuerwerk an klugen und bösartigen Dialogen. Der für uns so gewohnte übliche Hollywood-Phatos fehlt komplett bei der französischen Produktion, ein vollkommenes Happy End gibt es im wahren Leben nicht, zumindest nicht für jeden. Und auch diejenigen, die scheinbar Glück haben, und einigermaßen heil aus den Affären gekommen sind, haben keine Garantie für ein „happily ever after“ gepachtet. Es ist wahrlich erfrischend zu sehen, dass der trügerische Hollywood-Schein die europäische Filmbranche (noch) nicht komplett übernommen hat.
Ein Wehrmutstropfen bei Danièle Thompsons Film “Le code a changé” ist allerdings, diesen mit dem deutschen Titel “Affären à la Carte” zu strafen. Die direkte Übersetzung “Der Code hat sich geändert” wäre wohl auch nicht die eleganteste aller Möglichkeiten gewesen, aber die deutsche Alternative ist doch etwas klischeehaft. Dennoch schaffte Thompson ein äußerst unterhaltsames Porträt einer Generation von erfolgreichen Enddreißigern bis Mittvierzigern, die von sich selbst besessen sind und sich trotzdem über andere definieren.
FAZIT: Aufgrund der hervorragenden Dialoge viereinhalb von fünf Pariser Beziehungssternen.
Der deutsche Trailer auf Youtube (weitere Trailer zu unseren Kinotipps findest du im flimmit-Youtube-Channel):
