Autor: OJ |  Kategorien: Kinotipps

“Die Gräfin”: Blutige Hautpflege im Mittelalter

In der heutigen Zeit würde die ungarische Gräfin Erzsébet Báthory (Julie Delpy) wohl zum Schönheitschirurgen gehen. Verzweifelt sieht sich die adelige, reiche Witwe mit Falten und Altersflecken auf der einen Seite und dem türkischen Heer auf der anderen Seite konfrontiert. Als wichtigste Verbündete des Königs im Kampf gegen die Türken, reist sie des Öfteren nach Wien und trifft dort den viel jüngeren Istvan Thurzo (Daniel Brühl). In Hollywood würde man wohl eine Frau wie die Gräfin „Cougar“ nennen – eine ältere Frau, die Lust auf Frischfleisch hat (siehe auch Demi Moore). Eine leidenschaftliche Affäre entspringt dieser kurzen Begegnung.

Allerdings wird die Verbindung der beiden Verliebten von Istvans intrigantem Vater (William Hurt) sabotiert. Er schickt seinen Sohn fort und sendet einen gefälschten Brief an Erzsébet. Dieser enthält die Aussage, dass sie zu alt für den jungen Thurzo sei. Diese Tatsache quält nicht nur moderne Frauen, auch um 1600 war dies eine Beleidigung und Kränkung unermesslichen Ausmaßes. Aber während heutzutage die Möglichkeit zum Klagen und der Konsumation der teuersten Hautcremes besteht, so musste die Gräfin auf ein anderes Mittel zurückgreifen.

Ein Zufall machte die Gräfin glauben, dass Jungfrauenblut den Alterungsprozess aufhalte. Und wie es auch bei Schönheitsoperationen ist, irgendwann bekommt man nicht mehr genug. Während aber bei den OP’s das eigene Blut fließt, mussten über 100 Jungfrauen für die Haut der Gräfin bluten. Dies war der Anfang des Mythos rund um die „Vampirgräfin“. Ob die Geschichten tatsächlich auf Tatsachen beruhen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Viele Theorien stützen sich darauf, dass die Gräfin nur einen Schauprozess bekam wegen politischen Intrigen. Andere berufen sich darauf, dass die Gräfin von Kindesbeinen an gezwungen war, Folter und Mord zu beobachten. Abgestumpft und mit sadistischer Veranlagung kamen so auch die Mythen der „Jungfrauenblutduschen“ auf. Nichts Genaues weiß man nicht, doch Julie Delpy spielt die Gräfin mit einer beängstigenden Eindringlichkeit, weil sie trotz der Grausamkeit nur eine einsame Frau ist, die nicht altern will. Viele Menschen hätten nicht sterben müssen, hätten sie damals schon Botox gehabt.

flimmit-Kinotipp: Die Gräfin (Frankreich/Deutschland 2009). Regie, Drehbuch, Musik: Julie Delphy. Ab jetzt im Kino

FAZIT: Wegen einiger Längen 3 Jungfrauen von 5 Jungfrauen und eine halbe Puderquaste.

Der deutsche Trailer auf Youtube (weitere Trailer zu unseren Kinotipps findest du im flimmit-Youtube-Channel):

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