Filmfestival Venedig: Leicht bewölkt mit Sonne
Eitel Sonnenschein ist es nach einer Woche Filmfestival in Venedig – zumindest wettertechnisch. Denn das Programm selbst kann eher als mild, leicht bedeckt, durchbrochen von wenigen Sonnenstrahlen bezeichnet werden. Es will keine wirklich atmosphärische Stimmung aufkommen beim ältesten Filmfestival der Welt. Nun zu den wenigen Sonnenstrahlen: Dieser kam von dem bereits im Vorfeld stark diskutierten und gelobten österreichischen Beitrag „Lourdes“ von Jessica Hausner.
Die Pilgerstätte „Lourdes“ ist der Dreh- und Angelpunkt dieses kleinen Meisterwerks, dass die Heilung einer Gelähmten durch diesen heiligen Ort darstellt, dabei aber den Glauben selbst in ein Paradoxon verwandelt. „Es war von Anfang an ein wichtiger Aspekt in der Geschichte, dass die Person, die geheilt wird, eigentlich nicht prädestiniert dafür ist, sie ist weder besonders gläubig, noch betet sie. Das Ziel der Geschichte war, die Willkür solch einer Wunderheilung zu betonen“, erzählt Jessica Hausner in einem Interview mit arteKULTUR. Die Heilung schürt Neid, während doch eigentlich die Nächstenliebe die Handlung von Gläubigen bestimmen sollte. Doch Hausners Werk ist kein Anti-Religionsfilm, vielmehr beobachtet er mit scharfsinniger Skepsis und Genauigkeit die Zwischentöne auf die Frage nach dem wahren Glauben. Zurecht bekam dieses erste Highlight Standing Ovationen und Jessica Hausner sollte sich auf Übergepäck bei ihrer Rückreise einstellen, denn möglicherweise muss sie einen goldenen Löwen heim schleppen.
Ein weiterer Höhepunkt war Werner Herzog. Nicht, weil sein Film „Bad Lieutenant“ ebenfalls im Programm ist, sondern weil es Gerüchte gab, er werde einen weiteren Film vorführen. Dieses Gerücht wurde nun zur Gewissheit. Das ist so in Venedig noch nie vorgekommen. „My son, my son, what have ye done“ ist ein Low-Budget Film produziert von David Lynch. „Man muss die Augen offen halten in Venedig, ich bleibe kryptisch und sage nur, dass er auf irgendeine Weise sicher gezeigt wird“, so Werner Herzog. Aber zumindest den Termin für „Bad Lieutenant“ wussten wir. Am 4. September konnten wir Nicholas Cage als drogensüchtigen Polizisten sehen, der nach dem Sturm „Katrina“ in New Orleans im Einsatz war. „The bliss of evil“, so beschreibt Herzog den Charakter von Nic Cage in dem Film. In einem Ausnahmezustand kommt der wahre Kern eines Menschen zum Vorschein: Habgier, Grausamkeit, Machtstreben bei den Einen, unerwartete Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft bei den Anderen.
Was uns weiter erwartet und ob sich die Stimmung dem Sonnenschein anpasst, berichten wir hier auf flimmit.
Arrivederci, eure Irene
