Review: The Night Of The Living Dead
„They are coming to get you, Barbra! “
Dieses nicht unbekannte Filmzitat leitet den Horrortrip ein, den George A. Romero, Meister des Zombie-Genres, 1968 inszeniert hat. Der Schwarz-Weiß-Film gilt als Kult und Meilenstein des Horrorfilms. „The Night Of The Living Dead“ war sein erster Streich – Werke wie „Dawn Of The Dead“ oder „Diary Of The Dead“ folgten.
Barbra und ihr Bruder Johnny stehen vor einem Grab am Friedhof. Während Johnny seine schreckhafte Schwester neckt, nähert sich im Hintergrund mit langsamen Schritten eine Gestalt. Wäre alles halb so schlimm, würde es sich dabei nicht um einen Untoten handeln, der sich sogleich auf Barbra stürzt. Johnny geht dazwischen und verwickelt sich in einen Kampf mit dem Zombie, Barbra kann fliehen. Sie entdeckt ein altes Farmerhaus, in dem sie Schutz findet. Von ihrem Bruder keine Spur mehr. Dafür stößt sie auf Ben, der ihr von nun an zur Seite steht. Schon bald ist das Haus von dutzenden lebenden Toten umstellt. Und die wollen rein! Ben und Barbra versuchen sich mit ein paar Holzbrettern zu verbarrikadieren. Hilfe bekommen sie von fünf weiteren Menschen, die sich bislang im Keller des Hauses versteckt haben. Die Nacht bricht herein, die Zombies werden mehr und mehr und der Kampf um Leben und Tod beginnt nun so richtig.
Romero ist ohne Zweifel die Nummer Eins im Zombie-Horror-Genre. Der Film kommt mit einem simplen Handlungsstrang aus: Menschen in Not, die um jeden Preis überleben wollen. Dabei geht die Gefahr nicht einzig von den Zombies aus. Heikel wird es auch immer dann, wenn zwischen den Hausbesetzern Konflikte entstehen. So gesehen, durchaus sozialkritisch.
Die Charaktere sind stark gezeichnet. Da wäre der Afroamerikaner Ben. Er ist der Held im Film, der Unerschütterliche, der Kämpfer und der Streitschlichter. Barbra ist bis zu Bens Auftreten die Titelfigur. Sie zieht sich im Laufe des Geschehens aber immer weiter zurück. Ihre anfängliche Hysterie verwandelt sich nach und nach in Apathie. Harry, ein älterer Herr, der sich im Keller versteckt hatte, ist der Negativ-Pol im Film, mal abgesehen von den menschenfressenden Untoten. Er sucht Streit mit Ben, kann sich nicht unterordnen und ist das Gegenteil von einem Teamspieler.
Aus Kostengründen wurde der Low-Budget-Film „The Night Of The Living Dead“, der eigentlich ein Freizeitprojekt gewesen ist, in Schwarz-Weiß gedreht. Dieser Nebeneffekt trägt auch einen Teil zur düsteren Stimmung bei, genauso wie die orchestrale Filmmusik, die den Film durchgehend auf einem hohen Spannungslevel behält.
Feinheiten des Films sind auch die kleinen Details, auf die man beim ersten Mal ansehen vielleicht nicht achtet. Kurz bevor der erste lebende Tote auftaucht, blitzt es zum Beispiel. Ein weiteres feines Stilmittel: Johnny trägt markante Lederhandschuhe. Als später dann ein Haufen Zombies versucht, sich durch den Türstock des Hauses zu quetschen, sticht die einzige in Leder gehüllte Hand hervor. Der erste Tipp, noch bevor seine erblasste Fratze zu sehen ist: Johnny hat die Seite gewechselt und trachtet nun nach frischem Menschenfleisch.
Eine Besonderheit des Films ist, dass er mit nur einer einzigen Kamera gedreht wurde, einer alten Arriflex. In all dem Minimalismus ist diese Kamera dennoch sehr sorgsam eingesetzt worden. Weitwinkelobjektive setzen die Massen an Untoten in Szene. Verschiedene Kamerafahrten und Perspektiven sorgen immer wieder für neue Schocksequenzen. Was den Film ausmacht: Einfache Mittel sorgen für maximalen Effekt.
Mit diesem Film wurde das Zombie-Genre neu definiert. Er zählt zum Kulturgut und ist ein Muss für jeden Cineasten.
4/5 Punkte, euer Jan
