Autor: OJ |  Kategorien: flimmit Filmnews & Reviews

Sonnenallee

“Du hast den Farbfilm vergessen, mein Michael…”

Der Schauplatz ist Berlin in den 70er Jahren, getrennt durch eine Mauer in Ost und West. Eine Grenze, die ein Land in zwei Teile spaltet, sodass zwei Gesellschaften, zwei voneinander getrennte Lebensweisen entstanden sind. Eine Straße, die im Westen beginnt und im Osten ihr Ende findet, die Sonnenallee, ist der Schauplatz einer Geschichte über das Erwachsenwerden. Es ist ein Auszug aus dem Leben eines Jungen namens Micha, der verliebt ist und alles daran setzt, das Mädchen seiner Träume für sich zu gewinnen. Es verläuft nach dem üblichen Schema: Mädchen weist Jungen zurück, macht sich unnahbar, wird dadurch aber noch interessanter. Dem Jungen gelingt es, ihre Aufmerksamkeit auf ihn zu lenken. Schon fast sein Ziel erreicht, treffen die beiden natürlich im ungünstigsten Augenblick aufeinander. Junge blamiert sich. Mädchen hält ihn für einen Versager, nicht besser als die anderen. Auf Worte folgen schlussendlich Taten, durch die der Junge das Herz des Mädchens erobern kann.
Eher nebenbei wird ein kleiner Einblick in das Leben im Osten gewährt. Da ist Michas Mutter, die den Wunsch hegt, in den Westen zu kommen, weil man dort besser leben kann. Sie stiehlt einen Pass, beginnt ihr Aussehen zu verändern, doch stellt im letzten Moment an der Grenze fest, dass sie ihre Familie nicht zurücklassen kann. Dann gibt es den Onkel, der im „besseren“ Westen lebt, immer mal wieder zu Besuch kommt und qualitativ hochwertige West-Produkte, wie Nylon-Strümpfe, in den „schlechteren“ Osten schmuggelt. Oder den Vater, der über Ost-Produkte klagt, auf keinen Fall etwas mit der Partei zu tun haben möchte, aber sonst eher unbekümmert zu leben scheint, vor allem, als er plötzlich Eigentümer eines Telefons wird. Nicht zu vergessen Autoritätspersonen wie Polizisten oder Lehrer, die entweder Verbote aussprechen oder den Osten und sein Staatssystem preisen.

Sonnenallee ist sicher kein poltischer Film und will auch kein Statement dazu abgeben. Meinungen und Einstellungen werden kundgetan, ohne den Anspruch historischer Wahrhaftigkeit erfüllen zu wollen. Und so soll es auch nicht sein, denn Sonnenallee ist ein Film darüber, das Leben so zu nehmen wie es ist und Freude daran zu haben. Es ist egal, wo man ist, solange man verliebt ist – denn allein durch dieses Gefühl sieht die Welt sowieso ganz anders aus, als sie es wirklich ist. Nicht zu vergessen ist der legendäre Soundtrack u.a. von Nina Hagen mit “Du hast den Farbfilm vergessen”.

Alexandra

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