Kritik: Halbe Treppe
Anfang und Ende zweier Ehen?
Zwei befreundete Paare Mitte 30, beide schon lange zusammen, bilden den Ausgangspunkt einer Geschichte über den Alltag von Beziehungen. Man kennt sich gut, es gibt nicht mehr viel Neues, dass es sich einander mitzuteilen lohnt. Und immer wieder kommt die Frage auf, ob es das gewesen ist? Ob es so weitergeht? Ob es schon zu spät ist, auszubrechen und neu anzufangen? Man hat sich eingenistet, ist festgefahren, hat sich an sein Leben gewöhnt – eine Veränderung scheint in weiter Ferne. Also, wartet man … solange, bis etwas passiert.
Das Leben aller Beteiligten schlägt eine neue Richtung ein, als aus Ellen und Uwe Kukowski und Katrin und Chris Düring plötzlich Ellen Kukowski und Chris Düring wird. Ist es nur eine Affäre oder der Beginn einer neuen Beziehung? Bedeutet das das Ende der Ehe oder gibt es noch einen Weg zurück? Neue Fragen tun sich auf und keiner weiß so recht, wie es weitergehen soll. Aufgeben oder kämpfen? Vorwärts oder zurück? Das Einzige, was jeder weiß, ist, dass Entscheidungen getroffen werden müssen. Und dabei ist jeder auf sich allein gestellt, denn die langjährigen Beziehungen sind keine Zuflucht mehr. Die Sicherheit, dass jemand anderer da ist, der einen auffängt, wenn es schwierig wird, oder einem eine Entscheidung abnimmt, ist nicht mehr gegeben. Das erste Mal nach langer Zeit ist jeder wieder für sich allein veranwortlich. Nun heißt es, diese Möglichkeit zu nutzen, um zu sich selbst zu finden, zu erkennen, was man wirklich will und seinen eigenen Weg zu gehen.
Durch die Nutzung der Handkamera, den Einsatz des natürlichen Lichts, der Aufnahmen an Originalschauplätzen und der realistischen Handlung, weist Halbe Treppe einige charakteristische Züge der Dogma95 Bewegung auf. Das Drehbuch entstand direkt vor Ort, was erklärt, warum es manchmal so scheint, als wüssten die Darsteller nicht genau, was sie sagen sollten. Am meisten überzeugt Axel Prahl in der Rolle des Uwe Kukowski.
Halbe Treppe wurde von der Kritik sehr gelobt und gewann einige Preise. Das ist nachvollziehbar, aber für mich persönlich ein bisschen übertrieben. Es ist – sowohl seitens der Story als auch der Technik – ein netter Film mit guten Ansätzen, aber vielleicht hätte man noch ein bisschen mehr draus machen können.
Deswegen … 3 von 5 Sternen
