Autor: OJ |  Kategorien: flimmit Filmnews & Reviews

Review: Runaway

Wenn die Kraft zur Rebellion schwindet…

Die 16-jährige Lisa hat nur einen Wunsch: Eine Reise durch die Wüste mit ihrer Freundin Maxie, die, wie sich bald herausstellt, für Lisa mehr als „nur“ eine Freundin ist. Umso größer ist die Enttäuschung, als Maxie aus heiterem Himmel beschließt, diese Reise mit ihrem Freund zu machen. Lisa fühlt sich im Stich gelassen. Die Tagträume von dem baldigen Roadtrip machten ihr bislang den Alltag erträglich. Doch die Seifenblase ist geplatzt. Für Lisa bricht eine Welt zusammen. Sie greift sie zum Naheliegenden: Alkohol, Tabletten und Drogen als Betäubungsmittel, um ihren Schmerz nicht mehr spüren zu müssen.

Ihre Eltern merken davon nichts. Sie haben eher den Eindruck, dass die Situation bei ihnen zu Hause langsam wieder besser wird. In letzter Zeit hatten es die Beiden nicht leicht mit ihrer Tochter. Ihre schlechte Laune und ihr respektloses Verhalten ihnen gegenüber war unerträglich geworden. Und das alles seit sie Maxie kennen gelernt hatte. Nun ist Maxie weg und es gibt sogar einen sehr netten Jungen, der sich für Lisa zu interessieren scheint. Auch Lisa selbst ist nicht mehr so launisch. Sie lässt ihre Mutter ihr Zimmer neu gestalten, spricht wieder normal mit ihrem Vater und kommt sogar pünktlich nach Hause. Lisa aber tut all das nicht ihren Eltern zuliebe. Es ist ihr egal geworden. Sie hat keine Energie mehr, gegen ihre Eltern zu rebellieren und ihren Kopf durchzusetzen. Lisa steht kurz davor, sich selbst aufzugeben, denn es gibt für sie nichts mehr, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

„Runaway“ ist voll gepackt mit den nur allzu bekannten Klischees von einem Teenager, der unzufrieden ist und über Eltern, die keine Ahnung davon haben, was mit ihrem Kind passiert. Und wie sollten sie auch? Denn Teenager reden bekanntlich nicht über ihre Probleme, schon gar nicht, wenn sie den Eindruck haben, dass sie sowieso nicht verstanden werden. Man kann nichts anderes tun, als ihnen zu vertrauen und den Freiraum zu lassen, den sie brauchen. Eine Gratwanderung, die alles andere als einfach ist. Wie lange kann man vertrauen? Ab welchen Zeitpunkt ist Kontrolle besser? Wie viel Freiraum ist genug? Und wann müssen klare Grenzen gesetzt werden? Und die Frage bleibt, ob das Vertrauen nicht doch missbraucht wird.

Ob Eltern wirklich so ahnungslos sind, wie sie in „Runaway“ wirken, ist vermutlich ein Aberglaube von unverstandenen Pubertierenden. Ob Teenager wirklich so rebellisch und genervt sind, auch. Die Geschichten, die uns erzählt werden, leben nun mal von Überzeichungen, um die thematisierten Konflikte hervorzuheben. Ein Teenager zu sein ist nicht leicht. Aber Eltern eines Teenagers zu sein, ist es ebenso wenig. „Runaway“ macht einmal mehr deutlich, dass es wichtig ist, im Hintergrund zu bleiben, damit Kinder ihren eigenen Weg finden können, aber dabei nicht darauf zu vergessen, für sie da zu sein, wenn sie einen brauchen. Und die Botschaft dahinter lautet wohl: Eines Tages werden eure Kinder rebellieren. Und ihr werdet damit klar kommen müssen, denn so ist das Leben. Macht euch lieber Sorgen, wenn sie es nicht tun. Denn erst wenn ein Teenager beginnt, alles hinzunehmen und zu resignieren, könnte es gefährlich werden.

Alexandra

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