Kritik: Black and White
Generation Cool
Weiße Teenager aus der Oberschicht von Manhatten, die sich der Hip-Hop-Kultur bedienen, um sich von der Lebensweise ihrer Eltern abzuheben und ein Zeichen dagegen zu setzen. Hip Hop als eine neue Form der Coolness, die Art einer neuen jungen Generation ihr Anderssein zu demonstrieren. Dabei geht es um mehr als nur um die Musik. Die Hip-Hop-Generation hat ihre eigene Art zu sprechen, sich zu kleiden und sich zu bewegen – nach dem Vorbild der schwarzen Rapper, die zumeist aus der Unterschicht stammen. Die weißen Kids wollen dazu gehören und tun alles dafür, um Teil der schwarzen Szene zu werden. Die zentrale Frage, die den Film dominiert, lautet deshalb: Woher kommt dieses neue Phänomen und aus welchen Gründen passiert es?
Was Black and White einem jedoch schuldig bleibt, ist eine Antwort. Zu viele Handlungsstränge entstehen parallel zueinander und sind ineinander verwoben. Dabei steht hinter jedem eine andere Motivation, die in den meisten Fällen recht wenig mit der eigentlichen Frage zu hat. Da kommen andere Themen ins Spiel, wie Liebe, Rache, Intrigen, Verrat oder auch Homosexualität – Themen, die keine Frage von schwarz oder/und weiß sind, sondern Themen, die alle Menschen, egal welcher Kultur oder Hautfarbe, betreffen.
Lange wird der rote Faden, vor allem durch die Dokumentarfilmerin, die eine Clique weißer Jugendlicher begleitet, um einen Einblick in dieses Phänomen zu bekommen, aufrecht erhalten. Doch selbst dieser löst sich gegen Ende auf, ohne dass er zu einem Ergebnis geführt hätte. Zumindest erfahren wir nichts, dass das Phänomen der Hip-Hop-Kultur anders oder besonderer macht, als das einer Punk-, Metall- oder Reggae-Kultur. Denn auch hier entwickeln vor allem junge Leute ihren eigenen Sprach- oder Kleidungsstil oder besser gesagt, sie ahmen ihn nach. Der Unterschied liegt eher darin, dass die Hip-Hop-Kultur neben der Pop-Kultur die meisten Menschen erreicht – was sich vor allem auf Amerika bezieht. Aber auch das wird eine Frage der Zeit sein. Jede neue junge Generation braucht ihr Ventil, braucht etwas, durch das sie sich von ihren Eltern unterscheidet. Zurzeit mögen das die meisten Jugendlichen in der Hip-Hop-Kultur finden, so wie es damals die 68er-Generation in Menschen wie Bob Dylan, Janis Joplin oder Jimi Hendrix gefunden haben. Die Geschichte liefert genug Beispiele für die Jugendkultur, in der Musik immer wieder ein zentrales Thema gewesen ist und auch sein wird. Musik schafft Identifikationspotenzial, das gerade für Jugendliche, die noch auf der Suche nach sich selbst und ihrem Weg sind, eine Möglichkeit bietet, um zu einer Gruppe zu gehören und ein Teil von etwas zu sein.
Vor allem beeindruckt Black and White wahrscheinlich mehr durch die Bekanntheit der mitwirkenden Darsteller als durch die Aufbereitung der Story. Neben bekannten Schauspielern wie Robert Downey Jr., Elijah Wood, Ben Stiller, Brooke Shields oder Jared Leto, begegnen uns Mike Tyson und Claudia Schiffer sowie eine Reihe von Mitgliedern des Wu-Tang Clan wie Raekwon, Method Man, Ghostface Killah, Inspectah Deck oder Masta Killa. Für Fans des Wu-Tang Clan ist es empfehlenswert, sich diesen Film in englischer Originalversion anzusehen, da die deutsche Übersetzung nicht davor zurückschreckt, die Texte von Raekwon bei seinen Proben zu synchronisieren. Amerikanischer Rapp sollte auch amerikanisch bleiben, auch wenn er noch im Entstehen ist.
Von mir also 3 von 5 Sternen.
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