Kalafudra's Kino: Dorian Gray
Bildlein, Bildlein an der Wand – wer ist der Fadeste im ganzen Land?
Das Bildnis des Dorian Gray ist der neueste Versuch einer Verfilmung von Oscar Wildes klassischem Roman.
Ende des 19. Jahrhundert. Dorian Gray (Ben Barnes) kommt nach dem Tod seines Großvaters nach London zurück. Er ist ein junger, naiver Mann, aber vor allem ist er auffallend schön. Es dauert auch nicht lange bis ihn der Maler Basil (Ben Chaplin) für sich entdeckt und zu malen beginnt.
Auf Drängen Dorians nimmt Basil ihn dann auch mal zu einer Party mit, wo Dorian dem zynischen Lord Henry (Colin Firth) begegnet. Lord Henry hat eine große Klappe, mit nicht viel dahinter. Er macht es sich zur Aufgabe, Dorian zu dem zu machen, was er sich nie zu sein getraut hat: ein durch und durch korrumpierter Lustmensch.
Unter dem Einfluss von Lord Henry verkauft Dorian seine Seele – damit Basils Bild an seiner Stelle altert und die Hässlichkeit in seinem Inneren zeigt – und beginnt ein Leben zwischen Drogen, Huren und Grausamkeit…
Den Plot kennt wahrscheinlich jeder. Vermutlich haben 90% der Gymnasiasten in Österreich das Buch sogar zumindest teilweise gelesen, in England noch mehr. Vielleicht um das Publikum trotzdem zu überraschen hat Drehbuchautor Toby Finlay beschlossen, den Verlauf des Films etwas zu ändern und die Handlung bis in die 20er hineinzuziehen. Leider war das ein Fehler, denn dadurch verbringt man die letzte dreiviertel Stunde damit auf die Uhr zu sehen und sich zu wünschen, dass der Film das Ende des Buches eingehalten hätte.
Abgesehen von der zum Schluss kaugummiartigen Konsistenz des Films ist Ben Barnes als Dorian eine ziemliche Katastrophe. Er ist ja ganz hübsch, aber leider völlig profillos und das größte Rätsel, das der Film aufgibt, ist, warum zum Teufel alle sich so sehr um Dorian Gray scheren.
Colin Firth gibt sich alle Mühe, besser zu sein als der Film, aber scheitert am Ende doch kläglich. Sein Henry ist wunderbar, so lange er die berühmten Oscar Wilde’schen One-Liner sagen darf. Aber die meiste Zeit will der Film Lord Henry zum menschgewordenen Teufel machen und das funktioniert nicht für Colin Firth, und schon gar nicht für mich. Außerdem kommen insgesamt viel zu wenig One-Liner vor.
Der Film leidet im Allgemeinen unter der Entscheidung von Regisseur Oliver Parker, sich auf die Horroranteile zu konzentrieren. Damit wird er weder dem Originalmaterial gerecht, noch schafft er es, sein Publikum für die gesamte Dauer des Films zu unterhalten.
Auch, dass die Ausschreitungen von Dorian sehr explizit gestaltet werden, trägt nichts zur Stimmung bei. Ganz im Gegenteil wird man komplett aus der Geschichte rausgerissen, weil eine mehr oder weniger öffentliche Orgie im viktorianischen London einfach so viel unwahrscheinlicher ist, als ein magisches Bild.
Was der Film aber sehr richtig macht, sind die Kostüme. So hat man zumindest was zum Schauen, während man sich wünscht, man wäre stattdessen in Sex and the City 534 gegangen.
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Kalafudra hat ihre Seele leider schon ihrem Blog verschrieben. Sonst hätte sie nichts gegen ein Bild einzuwenden, das für sie altert.
