Kalafudra's Kino: The Crazies
Wenn sich die Einwohner einer Kleinstadt hassen, dann ist nicht immer ein Virus aus dem Horrorfilm schuld – hier aber schon
The Crazies ist Breck Eisners Remake von George Romeros Klassiker aus den 70ern.
Wie so viele Filme seiner Art beginnt The Crazies in einer amerikanischen Kleinstadt, wo alles pipifein zu sein scheint. Gleich am Anfang wird uns klar gemacht, mit wem wir uns zu identifizieren haben: Das sympathische Pärchen David (Timothy Olyphant) und Judy Dutton (Radha Mitchell), er der Sheriff, sie die Ärztin der Stadt. Sie sind ja auch wirklich sehr nett.
Wir befinden uns aber in einem Horrorfilm, also sollte allen Beteiligten klar sein, dass die Dinge sicher nicht so bleiben werden. Innerhalb kürzester Zeit kommt es auch schon zu einem Duell, wie es einem Westernfilm gebührte: Ein scheinbar betrunkener Stadtbewohner wankt mit einer Schrotflinte in der Hand auf das Baseball-Spielfeld, und David sieht sich gezwungen, ihn zu erschießen.
Als sich beim Gerichtsmediziner aber herausstellt, dass der Typ gar nicht betrunken war (und damit wir das auch sicher alle mitkriegen, bekommen wir es nicht nur am Telefon gesagt, sondern sehen dann auch noch das Formular, wo David mit verdatterter Miene 0,0 neben “Blutalkohol” schreibt), geht von dort weg alles recht schnell bergab. Die Verrücktheit greift um sich und bald ist die halbe Stadt infiziert, Familien und Nachbarn bringen sich gegenseitig um, das Militär greift ein (und wird als absolut böse dargestellt, weil sie versuchen, eine Seuche einzudämmen) und dann muss durch eine Verkettung verschiedener Umstände der Sheriff sich, seine Frau und seinen Deputy aus der Quarantäne bringen.
Breck Eisner ist kein schlechter Regisseur. Leider weiß er ganz genau, wann er wirklich effektiv ist – und verwendet dann diese Einstellungen, bis sie jegliche Bedeutung verlieren. Aber es gibt doch einige Momente, die einem wirklich Angst machen. Ein Auge am Schlüsselloch, eine Heugabel in der Krankenstation, Nadel und Faden beim Gerichtsmediziner – Eisner verwendet diese Elemente sehr kunstvoll und schneidet immer früh genug vom eigentlichen Blutbad weg, damit unsere Vorstellungskraft den Rest für uns übernehmen kann. Aber er macht das halt leider ein bisschen zu oft und bei der dritten Blutlacke will man eigentlich schon wieder was Anderes sehen.
Ich weiß, dass sich bei Horrorfilmen über Plotfragen aufzuregen ein bisschen so ist, als würde man mit seinen Hunden schwimmen gehen und sich dann über den Gestank von nassem Hund aufregen. Man geht nicht wegen der Plotfehler hin, aber man weiß, dass sie kommen werden. Trotzdem hätte man auch bei The Crazies ein bisschen genauer arbeiten können. So bleiben leider einige Dinge unlogisch. Besonders mit dem Krankheitsverlauf wird ziemlich Schindluder getrieben.
Außerdem versucht der Film besonders viele Dinge miteinander zu vereinen – da gibt es die Nachbarn, denen man auf einmal nicht mehr trauen kann, da gibt es die Regierungsverschwörungen, es gibt die verrückten Jäger und und und. Ein bisschen mehr Fokus hätte dem Ganzen nicht schlecht getan.
Auch schauspielerisch ist der Film jetzt nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, wobei Joe Anderson, der den Deputy spielt, eindeutig heraussticht – im positiven Sinne. Aber vor allem Radha Mitchells Judy leidet an dem Nettigkeitssyndrom, dass der Figur jede Tiefe nimmt.
Trotz dieser Einschränkungen bleibt The Crazies aber ein äußerst passabler Horrorfilm. Freunde des Genres werden nicht enttäuscht sein. Es gibt sogar die obligatorische Szene, wo das strombetriebene Mordinstrument nach dem Tod des Mörders zielstrebig auf den Schritt des Helden zurast. Und obwohl das nicht mehr furchterregend ist – dafür haben wir es wohl zu oft gesehen – würden wir es doch vermissen, wenn ein Horrorfilm ohne auskäme.
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Kalafudra hat nicht nur einen eigenen Blog, sondern auch einen Job und Freunde. Trotzdem hat sie Zeit, sich Horrorfilme anzuschauen und sich danach zu freuen, dass sie ihren Nachbarn nie so nahe kommt, dass die sie umbringen könnten, sollten sie von einem mörderischen Virus befallen werden.

Juni 7th, 2010 at 21:03
[...] rants « Bookish Meme – Meme Monday Guest Review Monday, 7. June 2010 My first official guest review over at the flimmit blog appeared today. It’s about The Crazies and in German. Head on over [...]