Kalafudra's Kino: Eclipse - Biss zum Abendrot
Schmachtende Blicke, computergenerierte Wiesen, seltsame Moralvorstellungen
Für die, die es nach dem Titel noch nicht erraten haben: Was folgt ist eine Kritik von dem neusten Film in der Twilight Saga: Eclipse – Biss zum Abendrot.
Erst mal vorab: Ja, auch ich habe die Bücher innerhalb von zwei Wochen in einem Haps gelesen. Ja, auch ich bin einer dieser Menschen, die zum Erfolg von Twilight beitragen, indem sie am Eröffnungswochenende ins Kino rennen, um den neuesten Teil zu sehen. Ja, auch ich habe schon mehr Zeit damit verbracht, über Bella, Edward und Jacob nachzudenken, als für einen erwachsenen Menschen tatsächlich gesund ist.
Allerdings gehöre ich zu den Leuten, die den Erfolg der Bücher als soziologisches Experiment spannend finden – und nicht unbedingt der Liebesgeschichte wegen. Die ersten beiden Filme waren Unterhaltung pur – ich habe selten so gelacht. Und ich trage mir regelmäßig den Zorn der Fans ein, weil ich die Filme im Kino kommentiere.
Leider ist der Eclipse für alle Zuseher enttäuschend – für die, die die Filme ernst nehmen, genauso wie für die, die es nicht tun. Denn es bleibt einfach langweilig.
Aber fangen wir am Anfang an: Bella (Kristen Stewart) und Edward (Robert Pattinson) liegen auf einer Wiese und himmeln sich an. Bella rezitiert auch ein Gedicht, um es für alle deutlich zu machen: Das ist eine romantische Szene. (Natürlich ist es nicht einfach nur ein Gedicht, es ist auch eine Allegorie auf das “Liebesdreieck”, das sich entfaltet.)
Dann gibt’s eine kurze Zwischenhandlung mit bösen Vampiren.
Edward und Bella sind ziemlich glücklich miteinander, auch wenn Edward psychopathische Tendenzen an den Tag legt und Bella jegliche Entscheidungsmöglichkeit nimmt und Bella eigentlich ganz gern ihren besten Freund Jacob (Taylor Lautner) sehen würde.
Dann gibt’s eine kurze Zwischenhandlung mit anderen bösen Vampiren.
Bella sieht endlich Jacob, der ihr seine Liebe gesteht. Bella ist irritiert und sagt Jacob, dass sie ihn nicht so sieht. Was Jacob schlicht und ergreifend nicht wahrhaben will.
Danach erleben wir zwei Stunden (gefühlte Länge: fünf Stunden) bedeutungsschwangere Blicke und junge Männer, die über Bellas Leben entscheiden, ohne sie auch nur einmal zu fragen, was sie eigentlich will – und wenn sie es von sich aus sagt, wird sie einfach ignoriert.
Prinzipiell sind das die Schwächen des Buches. Der Film hält sich da sehr eng daran. Leider. Denn dadurch wird dem Film jede Dynamik genommen.
Regisseur David Slade, dessen Hard Candy fantastisch war, war offensichtlich die falsche Wahl für diesen Film. Die Action-Sequenzen, die er normalerweise beherrscht, sind zu kurz und alles passiert zum Schluss (aber zumindest finden sie statt, nicht wie im letzten Film, wo sämtliche Kämpfe einfach off-screen geschehen sind). Die seelenvolle Blicke gehen einem allerspätestens nach Minute 20 auf die Nerven. Die Rückblenden sind fast schon physisch schmerzhaft. Aber am Allerschlimmsten sind die computeranimierten Wölfe. Da waren ja noch die Bewegungen der Schwammerl in Super Mario Brothers natürlicher.
Es hilft auch nicht, dass der Soundtrack zwar nicht schlecht ist, die Originalmusik (von Howard Shore) aber ungefähr so subtil und passend wie eine Ein-Mann-Kapelle in der Bibliothek.
Zumindest haben die Schauspieler irgendwann zwischen den letzten beiden Filmen verstanden, dass sämtliche Bemühungen vergebens sind und haben einfach aufgehört zu spielen. (Nur Taylor Lautner und Billy Burke wurden davon leider nicht informiert und fallen beinahe unangenehm auf, weil sie ganz gut sind.) Besonders Kristen Stewart und Robert Pattinson sprechen ihre Texte wie emotionslose Automaten.
Was bleibt ist ein Film, bei dem man einfach spürt, dass er eine reine Pflichtübung ist und sich niemand um die Qualität gekümmert hat, weil man davon ausgeht, dass die Fans sowieso kommen. Und ich befürchte, dass diese Rechnung auch noch aufgehen wird.
————
Kalafudra wünschte sie wäre ein besserer Mensch. Dann würde sie nicht schlechte Filme im Kino ansehen und damit finanziell unterstützen, sondern das Richtige und Verantwortungsvolle tun und sie illegal runterladen.

Juli 27th, 2010 at 09:55
Ja das mit den Stimmen stimmt das hat mich auch schon in New Moon geärgert. Roberts Pattinson hatte dauernd dieses gequälten Blick der nach einiger Zeit total nervte und sprach nur monoton und langweilig seinen Text. Zudem hatten Sie ihn auch noch in diesen schrecklichen Anzug hinein gesteckt den er fast (!!) den ganzen Film über an hatte.
Aber wie auch immer ich werde mir den letzten Teil trotzdem an schauen
Sie ändern eh ständig den Regisseur, mal schaun was der aus dem letzten macht.
mfg
August 1st, 2010 at 21:36
Oh, ich werde den letzten Teil sicher auch sehen (bzw. die letzten zwei Filme, denn Breaking Dawn wurde zweigeteilt). Aber ich habe nach diesem Film keine großen Hoffnungen mehr in die Unterhaltsamkeit…