Autor: OJ |  Kategorien: flimmit Filmnews & Reviews, Kinotipps, Neu im Kino

Der kurioseste Filmflop des Sommers

Knight and Day

Tom Cruise und Cameron Diaz grinsen und kichern sich durch eine bemerkenswert schlechte Agentenkomödie.

Eigentlich möchte June Havens (Cameron Diaz) nur nach Hause fliegen – und vielleicht bei dieser Gelegenheit noch mit dem charmanten Mitreisenden Roy Miller (Tom Cruise) flirten. Doch während sich June für die sich scheinbar anbahnende Reiseaffäre auf der Bordtoilette zurecht macht, tötet Roy sämtliche Passagiere des Flugzeugs mitsamt den Piloten, gibt an, FBI-Agent zu sein und landet das Flugzeug in einem Getreidefeld.

Als June am nächsten Morgen in ihrer Wohnung aufwacht, ohne zu wissen, wie sie dort hingekommmen ist, würde sie die Geschehnisse des Vortags am liebsten vergessen. Doch als sie von anderen FBI-Agenten verhört wird, ist Roy überzeugt, dass June durch die Bekanntschaft mit ihm in Gefahr sei und nimmt sie mit auf seine halsbrecherische Mission.

Diese dreht sich um eine unendliche Energiequelle in Form einer neuartigen Batterie, erfunden von dem jugendlichen Genie Simon Feck (Paul Dano). Beide, Batterie und Erfinder, sind in großer Gefahr, denn sowohl der abtrünnigen FBI-Agent Fitzgerald (Peter Sarsgaard) als auch der spanische Waffenhändler Antonio Quintana (Jordi Mollà) lassen nichts unversucht, um an sie heranzukommen. Eine gefährliche Jagd beginnt.

Rettungslos

“Knight and Day” hat in den USA einen sagenhaften Fehlstart hingelegt und dürfte – begleitet von genüsslichen Verissen – auch im Rest der Welt nicht unbedingt zum Kassenknüller avancieren.

Dass eine romantische Actionkomödie mit zwei Topstars wie Tom Cruise und Cameron Diaz so spektakulär scheitern kann, scheint eigentlich unwahrscheinlich – und doch ist es möglich, denn der Film macht so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann.

Die beiden Stars geben eine derart schlechte Vorstellung ab, dass man seinen Augen manchmal nicht trauen möchte. Dafür wird aber viel gekichert, gegrinst und gewitzelt. Die Liebesgeschichte wirkt vollkommen aus der Luft gegriffen, denn ein Prickeln zwischen den beiden Verliebten existiert faktisch nicht und ihre gezwungene Dauerfröhlichkeit wirkt in jeder Hinsicht deplatziert. Der Plot ist so schnell überschaubar, dass von Spannung kaum die Rede sein kann, noch dazu, da die Verfolger keine nennenswerte Gefahr verbreiten. Ohne jegliche Plausibilität springt der Film von einem hübschen Touristenort zum nächsten und spult – abgesehen von einer recht netten Verfolgungsjagd in den enge Gassen von Sevilla – eine Reihe unaufgeregter Standardaction ab. Darüber hinaus strotzt der Film vor haarsträubenden Unwahrscheinlichkeiten.

In Actionfilmen gehört es geradzu zum guten Ton, dass der Held fast übermenschliche Fähigkeiten besitzt, dass er waghalsigste Stunts überlebt und im Kugelhagel nie verletzt wird. Doch selten wurde mit diesen Genremitteln so dreist umgegangen wie hier: Roy Miller katapultiert sich mühelos von einem fliegenden Motorrad auf ein dahinrasendes Auto, schießt von dessen Dach bei Slalomfahrt ohne sich festzuhalten, trifft ausnahmlos jeden Gegner, auch wenn er selbst ungeschützt unter Dauerbeschuss steht und hat selbst in Todesgefahr noch Zeit und Muse mit dem verschreckten Blondchen neben ihm zu flirten – Dauergrinsen inklusive, Ironie nicht.

“Development Hell”

Wo die Anfänge all dieser Produktionsschwächen liegen, läßt sich schnell sagen: Obwohl mit Patrick O’Neill offiziell nur ein Drehbuchverantwortlicher genannt wird, sollen mindestens 12 verschiedene Autoren bei der Entwicklung von “Knight and Day” verschlissen worden sein. Dass nicht einmal ein Dutzend professioneller Hollywoodautoren in der Lage sind, eine richtige Handlung (anstatt einer willkürlichen Aneinanderreihung von Actionszenen) zu erfinden, könnte man durchaus schon wieder als Leistung bezeichnen. Die dramaturgischen Schwächen der Geschichte zeigen sich allein schon daran, dass jedes Mal, wenn die Autoren offenbar nicht mehr wussten, wie sie das naive Blondchen June aus einer schwierigen Situation herrausbringen können, sie von Roy betäubt wird und der Film in wenigen verschwommenen Bildern zum nächsten Schauplatz springt. Kreative Problemlösung sieht anders aus.

Kinostart Deutschland und Österreich: 22. Juli 2010

Von Carolin Färber (Filmtauchgänge)

Der Film bei Flimmit: Knight & Day (2010, James Mangold)

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