Die guten alten Zeiten - vorbei
Das A-Team
Die Serie ist Kult, der Film wird’s wohl kaum werden. Doch auch wenn Handlung, Ironie und Seele fehlen, das Konzept des A-Teams ist erstaunlich unkaputtbar.
Colonel John “Hannibal” Smith (Liam Neeson) ist in Mexiko, um dem verbrecherischen General Tuco das Handwerk zu legen. Auf seiner Mission lernt er Bosco “B. A.” Baracus (Quinton Jackson) kennen, mit dem zusammen er seinen Kollegen Templeton “Faceman” Peck (Bradley Cooper) befreit. Mit Hilfe des geisteskranken Piloten Murdock (Sharlto Copley), den sie aus einem Krankenhaus holen, entkommt die neu geformte Truppe mit einem Rettungshubschrauber und lockt den sie verfolgenden Tuco in den amerikanischen Luftraum, wo er als feindlicher Eindringling abgeschossen wird.
“Acht Jahre und 80 erfolgreiche Missionen später” befindet sich das Team – mittlerweile eine Eliteeinheit der Armee – im Irakkrieg. Sie erhalten den Auftrag, von Rebellen gestohlene Dollar-Druckplatten in geheimer Mission wiederzubeschaffen. Durch eine halsbrecherische Aktion in den Straßen von Bagdad gelingt ihnen das zwar, doch dann werden ihnen die Platten von Mitarbeitern einer privaten Sicherheitsfirma gewaltsam entwendet. Da niemand mehr ihren geheimen Auftrag bezeugen kann, werden sie unehrenhaft entlassen und zu zehn Jahren Haft verurteilt.
Doch der CIA-Agent Lynch (Jon Hamm) bietet Hannibal einen Deal an: Wenn das Team die Platten wiederbeschafft, werden ihre belasteten Akten gelöscht. Hannibal befreit sich und die anderen aus den Gefängnissen und macht sich mit dem A-Team auf Verfolgungsjagd. Ihnen auf den Fersen ist Charissa Sosa (Jessica Biel), eine Ex-Geliebte von Faceman und Leutnant der US Army.
Charme?
In den 80ern und frühen 90ern war das A-Team aus dem Fernsehen kaum wegzudenken. Hannibal, Faceman, B.A. und Murdock waren und sind noch immer Kult und da Hollywood zur Zeit alles recycelt, was irgendwann einmal erfolgreich war, musste jetzt auch das A-Team dran glauben. Dabei erweist sich der Film als eigenartige Mischung aus einem alten, offenbar unverwüstlichen Konzept, enttäuschender Figurenzeichnung, bedeutungsloser Handlung und dröhnender Action.
Viel Gutes lässt sich nicht über den Film sagen: Die Ironie des Originals ist verschwunden, die Action teilweise zu überdreht, dann wieder altbacken, die Handlung ist wirr und belanglos und die heutzutage üblichen Gewaltdarstellungen wollen genausowenig zum Original passen, wie die Schauplätze in Mexiko und Deutschland. Dass für solch ein harmloses Actionspektatel auch der Irak als beliebige Kriegskulisse herangezogen wird, ist nicht nur traurig, sondern geradzu erschreckend.
Damals
Vor allem aber sind die Charaktere lieblos gezeichnet. Das ursprüngliche A-Team war noch wesentlich schillernder als das heutige: Anführer und Stratege Hannibal (damals gespielt von George Peppard) brillierte in jeder Folge als Verwandlungkünstler, der, wenn er nicht gerade mit dem A-Team Bösewichte jagte, seine Brötchen als Monsterdarsteller in B-Movies verdiente. Neben der dicken Zigarre und den schwarzen Lederhandschuhen, waren seine Markenzeichen ein unwiderstehliches Grinsen und der Spruch: “Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert”. Der ständig reizbare und übellaunige B.A. Baracus (Mr. T) trug nicht nur kiloweise Goldketten um den Hals (wo sind die geblieben?!), sondern war eigentlich ein warmherziger Streetworker, der nur Milch trank und von schrecklicher Flugangst geplagt wurde. Womanizer Faceman (Dirk Benedict), kam aus ärmlichen Verhältnissen, war aber stets auf gehobene Lebensart bedacht und hatte die Fähigkeit, von fast jedem Menschen Vertrauen zu erheischen. Und dann war da noch der scheinbar verrückte Hubschrauerpilot Murdock (Dwight Schultz), der in jeder Folge eine andere Geisteskranheit sein Eigen nannte und damit auf einem immerwährenden Konfrontationskurs mit B.A. Baracus stand.
Von all diesen schillernden Charakteraspekten haben sich nur wenige ins 21. Jahrhundert gerettet und die werden kaum ausgespielt. Die Truppe lässt sich zwar – zumindest nach der katastrophal schlechten Einführung – durchaus als A-Team akzeptieren, aber so recht will die Chemie zwischen den Teammitgliedern nicht stimmen. Das liegt weniger an den Darstellern (auch wenn man sich getrost fragen darf, ob gerade der melancholische Charakterdarsteller Liam Neeson als Hannibal die richige Wahl war), als an den Drehbuchautoren, die kein sonderliches Interesse am Wichtigsten des A-Teams zu haben schienen: dem A-Team selbst.
Trotz all dem: Das grundlegende Konzept von vier so verschiedenen Männern, die sich zusammenraufen, um gemeinsam für eine gute Sache zu kämpfen, hat einen Charme, der noch immer spürbar ist und der eine gewisse Unterhaltung garantiert.
Schlitzohren
Eine gewisse – denn irgendetwas will selbst da nicht stimmen. Es schleicht sich das Gefühl ein, dass die Schlitzorigkeit des A-Teams, vor allem die seines Anführers Hannibal, viel zu retro für unsere Zeit ist. Kann das sein? Der genüsslich grinsende Colonel Smith, ein Relikt aus alten Tagen, nicht verpflanzbar in unsere coole, virtuell vernetzte, klar strukturierte Welt? Wo sind die Schlitzohren dieser Welt geblieben?
Vielleicht kann der Film deshalb nicht funktionieren. Ist das größte Kapital des A-Teams veraltet, funktioniert es nur noch in der Erinnerung? Tatsächlich blitzt nur ein einziges Mal der Charme der Serie auf: Wenn das altehrwürdige A-Team auf Frontalkurs mit einem 3D-Film geht. Aber es war nur ein Moment. Das wahre A-Team bleibt Geschichte. Es wäre schön gewesen, hätte der Plan funktioniert.
Kinostart Deutschland und Österreich: 18. August 2010
Von Carolin Färber (Filmtauchgänge)
Film bei Flimmit: The A-Team (2010, Joe Carnahan)
