Kalafudra's Kino: Männer al dente
Ahhh, die famiglia…
Männer al dente ist der neueste Film von Ferzan Ozpetek.
Tommaso (Riccardo Scamarcio) ist schwul, aber er hat sich seiner Familie gegenüber nie geoutet. Endlich nimmt er sich ein Herz und erzählt seinem Bruder Antonio (Alessandro Preziosi) von seinem Plan, beim nächsten Familienessen klar Schiff zu machen und alles zu beichten.
Da kann man sich dann seine Überraschung vorstellen, als ihm Antonio zuvorkommt, bei dem Familienessen verkündet, dass er selbst schwul sei, den Familienvater damit zum Herzinfarkt treibt und Tommaso mit den Trümmern sitzen lässt.
Gemeinsam mit der Tochter eines Geschäftspartners, Alba (Nicole Grimaudo), muss Tommaso nun die familieneigene Nudelfabrik übernehmen und die Familie zumindest ansatzweise zusammenhalten. Und es weiß immer noch niemand, dass er schwul ist.
Männer al dente ist ein netter Film – durchaus amüsant, mit ein paar sehr witzigen Stellen. Er weicht auch den meisten Klischees aus, was immer eine schöne Abwechslung ist. (Ganz vermeidet er sie zwar nicht, aber wie in jedem Klischee ein Körnchen Wahrheit drinsteckt, darf auch in jedem Film ein bisschen Klischee drin sein.)
Ozpetek schafft eine erstaunliche Gratwanderung: Männer al dente bleibt seicht, ohne jemals in wirkliche Dummheit abzurutschen. Das liegt auch an den Schauspielern, die ihre Sache gut, aber auch mit einer guten Dosis Über-sich-selbst-Lachen machen. Besonders als Tommasos Freunde aus Rom auftauchen, wird das deutlich.
Die erweiterte Familie Cantone ist voll mit äußerst eigenen Figuren, die durchaus charmant sind, aber manchmal leider etwas überzeichnet wirken. Auch das Ende, das ein bisschen ins Surreale abdriftet, ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Hätte man beides weggelassen, hätte die Geschichte aber ein bisschen dürftig gewirkt.
Abgesehn von der Vielschichtigkeit, die es bewirkt, machen diese kleinen Eigenheiten der Nebenfiguren, die – zumindest auf den ersten Blick – nicht direkt etwas mit der Handlung zu tun haben, den Film deutlich (süd-)europäisch. Und das erzeugt schon fast Urlaubsstimmung daheim.
Der Film bietet belanglose und nette Unterhaltung für zwei Stunden. Erwartet man sich mehr, wird man enttäuscht werden. Ist es aber das, was man sucht, dann liegt man damit goldrichtig.
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Kalafudra hat sich schon vor einiger Zeit ihrer Familie gegenüber als heterosexuell geoutet. Das wurde relativ stoisch akzeptiert.
