Too Much
Duell der Magier
Sobald Jerry Bruckheimer und Walt Disney im Hintergrund die Fäden ziehen und dann auch noch Namen wie Nicolas Cage und Alfred Molina fallen, hört man schon die Kassen klingeln. Nicht unbegründet, und voraussichtlich wird allein diese Konstellation ausreichen, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Dennoch war’s diesmal etwas zu viel des Guten.
Während eines Schulauflugs in Manhatten entfernt sich der zehnjährige Dave (Jake Cherry) von seiner Gruppe und trifft in der Arcana Cabana, einem kleinen, verschlafenen Laden voller wundersamer Dinge, auf den Magier Balthazar Blake (Nicolas Cage). Der festen Überzeugung, dass diese Begegnung kein Zufall sein kann, übergibt Balthazar dem Jungen einen Drachenring, der in dessen Händen zum Leben erwacht und sich um seinen Finger schlängelt.
Einst hatte dieser Ring dem großen Magier Merlin gehört. Vor seinem Tod – verschuldet durch die böse Zauberin Morgana (Alice Maud Krige) und ihrem Gehilfen Maxim Horvath (Alfred Molina) – hatte Merlin ihn Bathazar übergeben. Einzig derjenige, der eine Reaktion des Ringes hervorruft, ist in der Lage Morgana endgültig zu vernichten, gelang es doch Merlins Schülern Balthazar und Veronica (Monica Bellucci) einst nur, sie in einen Seelengral zu verbannen.
Daves Ungeschick führt jedoch dazu, dass Horvaths Seele befreit wird und es zum Kampf zwischen ihm und seinem Erzfeind Balthazar kommt. Knapp entkommt Dave und flüchtet auf die Straße, wo seine Lehrerin und Mitschüler bereits auf ihn warten. Verängstigt erzählt er, was passiert ist, doch erntet dabei nur Gelächter und Spott.
Für sein weiteres Leben gezeichnet, wird Dave Stutler (Jay Baruchel) zum Einzelgänger, verschreibt sich den Naturwissenschaften und studiert zehn Jahre später Physik an der New York University. Doch er kann seinem Schicksal nicht entfliehen und so kommt es erneut zur Begegnung mit Balthazar. Horvath ist dabei die letzten Vorbereitungen zu treffen, um Morgana wieder zum Leben zu erwecken und es bleibt ihnen nur wenig Zeit, um das zu verhindern. Dave ist allerdings ganz und gar nicht erfreut über das neuerliche Aufeinandertreffen, denn schon einmal hatte Bathazars Auftauchen nur für Chaos und Gespött gesorgt.
All-in-One
Es gibt so gut wie nichts an funktionierenden Hollywood-Dramaturgie-Konzepten, die „Duell der Magier“ nicht bedient. Angefangen bei der klassischen Heldenreise, in der die Hauptfigur eine neue, andere Welt betritt: Begleitet von Freunden, muss er sich seinen Feinden stellen, lernt dazu, erleidet Rückschläge, sammelt neue Kräfte und fasst neuen Mut, wird dadurch stärker und trifft erneut auf seine Gegner.
Dabei wird auf die Figur des Underdogs zurückgegriffen. Ein Physikstudent, ein Einzelgänger und „Nerd“, der sich vor allem durch fehlendes Selbstbewusstsein und Unsicherheit auszeichnet, wird aus seinem Alltag gerissen, weil er der „Auserwählte“ ist. Zuerst sträubt er sich dagegen, weil ihm diese neue, auf den ersten Blick seinem Metier entgegengesetzt erscheinende Welt ängstigt. Doch seine Faszination ist stärker und so lässt er sich schrittweise auf das Abenteuer ein, bis er schließlich bereit ist, sein Schicksal anzunehmen und somit zum wahren Helden zu werden.
Zusätzlich entwickelt sich nebenher eine Love Story zwischen dem Underdog und der schönen Studentin Becky Barnes (Teresa Palmer), die Dave schon als kleiner Junge begehrte, aber im Laufe der Zeit für ihn unerreichbar wurde. Da trifft er sie doch gerade rechtzeitig wieder, als er kurz davor steht, als Erwachsener erneut mit seinem heldenhaften Schicksal konfrontiert zu werden, was sowohl einige Unannehmlichkeiten als auch Vorteile mit sich bringt.
Dem noch nicht genug, etabliert sich im Verlauf des Geschehens eine Dreiecksbeziehung zwischen den Magiern Balthazar, Veronica und Horvath, die abgesehen von dem tragischen Schicksal zweier Liebender, die über tausend Jahre getrennt sind, Emotionen wie Eifersucht, Rache und Rivalität ins Spiel bringt.
Gebettet wird das Ganze dann noch in ein modernes Manhattan voller magischer Ereignisse, in dem Adlerstatuen und Stiere aus Metall zum Leben erwachen, rasante Verfolgungsjagden mit variierden Fahrzeugen stattfinden und actionreiche Kämpfe mit Hilfe von zu Bällen geformter Elektrizität ausgetragen werden. Und schlussendlich lässt man es auch nicht unversucht, der Story den nötigen Witz zu verleihen.
Nice Try
Es bleibt allerdings beim Versuch, denn als wirklich witzig kann man es nicht bezeichnen, was einem hier als Komik serviert wird. Genauso überladen und vorhersehbar wie der Rest der Story ist auch sie gestaltet. Und Jay Baruchels komisches Auftreten als etwas tolpatschiger und unsicherer Physikstudent wirkt eher gezwungen als natürlich. Was bleibt ist eine Heldenfigur, die nicht ernstzunehmen ist und trotz ihrer Entwicklung auf der magischen Ebene nach wie vor ein „Nerd“ ist und bleibt.
Aber sicherlich ist es schwer, neben Nicolas Cage und Alfred Molina eine gute Figur zu machen. Sind es doch sie, die die Handlung tragen. Der rauhe Charme Bathazars steht im Kontrast zu dem britisch-eleganten Erscheinungsbild Horvaths. Die Aufeinandertreffen dieser beiden Gegenspieler sind wohl die gelungensten Szenen des Films. Abgerundet wird ihre Darstellung durch die Geschichte zweier einstiger Freunde, die aufgrund der Liebe zu derselben Frau Rivalen und schlussendlich erbitterte Feinde werden.
Vielleicht hätte man sich Daves Handlungsstrang sparen sollen, auch wenn es eigentlich genau diese Geschichte ist, die erzählt werden sollte. Disney hatte sich schon einmal vom “Zauberlehrling” inspirieren lassen und damals Mickey Mouse ins Abenteuer geschickt. Jetzt sollte der Stoff erneut als Ausgangsbasis für eine moderne und mit vielen Neuerungen gespickte Verfilmung dienen. Guter Gedanke, netter Versuch – aber auch ein Beweis dafür, dass Übertreibungen nicht immer der allerbeste Weg sind.
Kinostart Deutschland und Österreich: 2. September 2010
Von Alexandra Cech (Filmtauchgänge)
Film bei Flimmit: Duell der Magier (2010, Jon Turteltaub)

September 1st, 2010 at 20:47
[...] geht es zum original Artikel: Duell der Magier Share and [...]