Filmfestival Venedig: Leicht bewölkt mit Sonne

Eitel Sonnenschein ist es nach einer Woche Filmfestival in Venedig – zumindest wettertechnisch. Denn das Programm selbst kann eher als mild, leicht bedeckt, durchbrochen von wenigen Sonnenstrahlen bezeichnet werden. Es will keine wirklich atmosphärische Stimmung aufkommen beim ältesten Filmfestival der Welt. Nun zu den wenigen Sonnenstrahlen: Dieser kam von dem bereits im Vorfeld stark diskutierten und gelobten österreichischen Beitrag „Lourdes“ von Jessica Hausner. Die Pilgerstätte „Lourdes“ ist der Dreh- und Angelpunkt dieses kleinen Meisterwerks, dass die Heilung einer Gelähmten durch diesen heiligen Ort darstellt, dabei aber den Glauben selbst in ein Paradoxon verwandelt. „Es war von Anfang an ein wichtiger Aspekt in der Geschichte, dass die Person, die geheilt wird, eigentlich nicht prädestiniert dafür ist, sie ist weder besonders gläubig, noch betet sie. Das Ziel der Geschichte war, die Willkür solch einer Wunderheilung zu betonen“, erzählt Jessica Hausner in einem Interview mit arteKULTUR. Die Heilung schürt Neid, während doch eigentlich die Nächstenliebe die Handlung von Gläubigen bestimmen sollte. Doch Hausners Werk ist kein Anti-Religionsfilm, vielmehr beobachtet er mit scharfsinniger Skepsis und Genauigkeit die Zwischentöne auf die Frage nach dem wahren Glauben. Zurecht bekam dieses erste Highlight Standing Ovationen und Jessica Hausner sollte sich auf Übergepäck bei ihrer Rückreise einstellen, denn möglicherweise ...

Locarno 09: Wettlauf um den Leopard

Die Schweiz öffnet im August die Tore des Kanton Tessin für die mittlerweile 62. Auflage des Filmfestivals von Locarno. Einen 10 Tage langen Filmmarathon haben Regisseure, Produzenten, Zuschauer und Journalisten ab dem 5. August vor sich, bevor an der Ziellinie der Goldene Leopard verliehen wird. Über ein Dutzend Kategorien von „Anime Now“ über den „Internationalen Wettbewerb“ bis zu „Swiss Film Rediscovered“ sorgen für ein breitgefächertes Angebot. Vor allem der Autorenfilm hat in Locarno eine lange Tradition. In den umfangreichen filmtheoretischen Debatten in Deutschland vor 1914 wurde der Begriff „Autorenfilm“ in einem anderen als dem heutigen Sinne gebraucht: Autorenfilme nannte man jene Filme, die einen Bezug zu einem möglichst renommierten literarischen Autor hatten - entweder als Originaldrehbuch eines Schriftstellers oder als Adaption eines literarischen Werkes. Mittlerweile bezeichnet der Autorenfilm eine Gattung Film, in denen der Regisseur sämtliche künstlerischen Aspekte des Drehbuches oder Schnitt wesentlich mitbestimmt und als alleiniger Autor des Werks angesehen werden kann. Neben Autorenfilmen liegt dieses Jahr ein besonderer Schwerpunkt auf japanischen Trickfilmen, kurz "Anime". Sechs ausgewählte Filme aus dem fernen Osten, die meisten davon brandneu, werden dem Publikum in Locarno vorgeführt. Darunter auch der neueste Streich von Studio Madhouse, "Mai Mai Miracle". Regie führte Sunao Katabuchi, der früher mit Anime-Legende ...

Biennale 09: In Venedig wird nach dem Goldenen Löwen gebrüllt

Zuerst ein Oscar-Nominierung für „Revanche“, dann die Goldene Palme für „Das weiße Band“ und nun beginnt der Kampf um den Goldenen Löwen. Bemerkenswert, dass mit sechs Produktionen aus Österreich eine relativ große Dichte vertreten ist. Die 66. Biennale geht vom 2. bis 23. September 2009 in Venedig über die Bühne. Keine Sorge, wer nicht selbst Richtung Süden gondelt, erfährt alles Wissenswerte hier auf flimmit.  Das Filmfestival ist Teil des enormen Biennale-Aufgebots und jedes Jahr schippern Promis, Künstler und Adabeis gen Süden, um sich den Kampf um den Goldenen Löwen nicht entgehen zu lassen.  Es gibt insgesamt sechs Kategorien in der offiziellen Ausscheidung: „Venezia 66“ (Wettbewerb), Außer Konkurrenz, „Horizonte“ (Orrizonti), Kurzfilme, Italienische Filme und „These Phantoms“: Italian Cinema Rediscovered. Zudem gibt es zwei Independent Kategorien: „International Critics Week“ und „Venice Days“. In der Hauptkategorie gibt es auch dieses Jahr einige Filme, die frischen Wind in die Filmindustrie bringen. Regisseur Werner Herzog lässt Nicholas Cage in „Bad Lieutenant“ als drogensüchten Cop gerne mal Bestechungsgelder in der Hitze Louisianas annehmen. Und auch ein österreichischer Film hat es in die Endausscheidung geschafft: Jessica Hausner’s „Lourdes“. „Kranke und Sterbende aus aller Welt fahren nach Lourdes, um doch noch gesund zu werden, sie hoffen auf ein Wunder, weil ...

“identities 09″ – Von perversen Situationen und brutalen Polizisten

Vier Tage hat es gedauert – dann war im Vorverkauf keine Karte mehr für die Urauführung „Verliebt, Verzopft, Verwegen“ von Katharina Lampert und Cordula Thym zu bekommen. Die Optimisten konnten noch wenige Restkarten an der Abendkassa ergattern. Ebenso groß war der Ansturm auf den deutschen Coming-of-Age-Eröffnungsfilm „Mein Freund aus Faro“, der im Gartenbaukino gespielt wurde. Dabei wird die junge Mel von der Anhalterin Jenny für einen männlichen Portugiesen gehalten. Sie ergreift die Möglichkeit und erfindet sich vollkommen neu. Es kommt, wie es kommen muss, wenn die jugendlichen Hormone überschwellen: Die beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Neben preisgekrönten Filmen wie „Milk“ mit Sean Penn, versucht das „identities“ eine breite Queer-Palette abzudecken: Von Roadmovies bis Musicals, von Krimis über Film Noir ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ein besonderer Fokus liegt heuer ganz klar auf den 60er und 70er Jahren. Das ist vor allem durch den 40. Jahrestag der Stonewall Riots bedingt - der "offizielle" Beginn der Schwulenbewegung. 1969 fand eine Serie von gewalttätigen Konflikten zwischen Homosexuellen und Polizisten in New York statt, nachdem diese eine Razzia im „Stonewall Inn“ durchführten, einer Bar mit schwulem Publikum in der Christopher Street. Bemerkenswert und echte Gustostückerl sind vor allem alte Klassiker und wiederentdeckte Dokumentationen. ...

Internationales Filmfestival Innsbruck: In 80 Stunden um die Welt

„Von Japan nach Deutschland, von Iran nach Senegal, von Marokko nach Kuba und Brasilien, von Mexiko nach Ecuador und wieder zurück über Italien, Frankreich und Schweiz bis Indien und China und schließlich die Landung in Österreich“ – so beschreiben die Veranstalter des bereits 18. Internationalen Filmfestivals Innsbruck ihren bunten Filmmix aus aller Welt. Dieses Jahr beschäftigt sich das Festival, das heute um 19 Uhr eröffnet wird, mit den Themen Kindsein, Frauenpower und Musik als Kulturverbindung. Als absolutes Highlight wird der Film „Teza“ des äthiopischen Regisseurs Haile Gerima gehandelt. Der in den USA lebende Filmemacher wurde dafür bereits in Venedig mit den Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und gewann den Goldenen Hengst (Ja – Hengst, nicht Löwe, Palme oder Bär) in Ouagadougou beim größten afrikanischen Filmfestival Fespaco. In Rückblicken wird das Leben von Anberber erzählt, einem Mann, der es als Junge geschafft hat, nach Deutschland zu kommen. Zusammen mit äthiopischen, kommunistischen Kommollitonen plant er einen Putsch auf die monarchische Herrschaftsform seines Heimatlandes. Neben einer breit gefächerten filmischen Vielfalt legt das IFFI auch Wert darauf, alte Klassiker zu zeigen: Meister wie Jean-Luc Godard, Glauber Rocha und Herbert Achternbusch werden dem Publikum nähergebracht. Auch österreichische Filmemacher kommen zu ihrem Recht. So wird der Film „New Kaisertal ...

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