“identities 09″ – Von perversen Situationen und brutalen Polizisten

Vier Tage hat es gedauert – dann war im Vorverkauf keine Karte mehr für die Urauführung „Verliebt, Verzopft, Verwegen“ von Katharina Lampert und Cordula Thym zu bekommen. Die Optimisten konnten noch wenige Restkarten an der Abendkassa ergattern. Ebenso groß war der Ansturm auf den deutschen Coming-of-Age-Eröffnungsfilm „Mein Freund aus Faro“, der im Gartenbaukino gespielt wurde. Dabei wird die junge Mel von der Anhalterin Jenny für einen männlichen Portugiesen gehalten. Sie ergreift die Möglichkeit und erfindet sich vollkommen neu. Es kommt, wie es kommen muss, wenn die jugendlichen Hormone überschwellen: Die beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Neben preisgekrönten Filmen wie „Milk“ mit Sean Penn, versucht das „identities“ eine breite Queer-Palette abzudecken: Von Roadmovies bis Musicals, von Krimis über Film Noir ist für jeden Geschmack etwas dabei. Ein besonderer Fokus liegt heuer ganz klar auf den 60er und 70er Jahren. Das ist vor allem durch den 40. Jahrestag der Stonewall Riots bedingt - der "offizielle" Beginn der Schwulenbewegung. 1969 fand eine Serie von gewalttätigen Konflikten zwischen Homosexuellen und Polizisten in New York statt, nachdem diese eine Razzia im „Stonewall Inn“ durchführten, einer Bar mit schwulem Publikum in der Christopher Street. Bemerkenswert und echte Gustostückerl sind vor allem alte Klassiker und wiederentdeckte Dokumentationen. ...

Internationales Filmfestival Innsbruck: In 80 Stunden um die Welt

„Von Japan nach Deutschland, von Iran nach Senegal, von Marokko nach Kuba und Brasilien, von Mexiko nach Ecuador und wieder zurück über Italien, Frankreich und Schweiz bis Indien und China und schließlich die Landung in Österreich“ – so beschreiben die Veranstalter des bereits 18. Internationalen Filmfestivals Innsbruck ihren bunten Filmmix aus aller Welt. Dieses Jahr beschäftigt sich das Festival, das heute um 19 Uhr eröffnet wird, mit den Themen Kindsein, Frauenpower und Musik als Kulturverbindung. Als absolutes Highlight wird der Film „Teza“ des äthiopischen Regisseurs Haile Gerima gehandelt. Der in den USA lebende Filmemacher wurde dafür bereits in Venedig mit den Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und gewann den Goldenen Hengst (Ja – Hengst, nicht Löwe, Palme oder Bär) in Ouagadougou beim größten afrikanischen Filmfestival Fespaco. In Rückblicken wird das Leben von Anberber erzählt, einem Mann, der es als Junge geschafft hat, nach Deutschland zu kommen. Zusammen mit äthiopischen, kommunistischen Kommollitonen plant er einen Putsch auf die monarchische Herrschaftsform seines Heimatlandes. Neben einer breit gefächerten filmischen Vielfalt legt das IFFI auch Wert darauf, alte Klassiker zu zeigen: Meister wie Jean-Luc Godard, Glauber Rocha und Herbert Achternbusch werden dem Publikum nähergebracht. Auch österreichische Filmemacher kommen zu ihrem Recht. So wird der Film „New Kaisertal ...

15 Jahre New Queer Cinema in Wien: “identities” von 4. – 12.06.2009

Gestern am 4. Juni war der Startschuss des achttägigen „identities – New Queer Film“- Festivals in Wien. Aber was heißt eigentlich „Queer“? Die Meisten verbinden damit schlichtweg „Schwulenfilme“ – so einfach ist es aber nicht. Daher kommt heute ein kleiner Einsteiger-Crashkurs für Beginner. Der Name „New Queer Cinema“ entstand erstmals in den Filmfestivals Anfang der 90er Jahre. Vor allem zeichnet sich diese Bewegung durch folgende Punkte aus: Queer-Filme sprachen nicht nur die rein homosexuelle Gemeinschaft an, sondern richteten sich auch an Minderheiten (z.B. Schwarze, Hispanos etc.). Zweitens verschönerten sie nicht die dazumal „unmoralischen“ Züge der Protagonisten (vgl. Genet’s Un Chant d’Amour). Weiters trotzen sie der homophoben Vergangenheit. Als vierter Punkt ist zu sagen, dass sich das Queer Cinema gegen die Konventionen bezüglich der vorherrschenden Norm in Sachen Form, Inhalt und Genre wehrt. Kurz gesagt: Es lehnt sich gegen die gängige Produktion von Mainstream-Filmen auf. Zum Schluss muss das Merkmal angeführt werden, dass sich das Queer Cinema intensiv mit dem Thema Tod auseinandersetzt - allerdings in einer nicht unbedingt negativen Art und Weise (z.B. erwacht in Zero Patience der erste an AIDS Verstorbene wieder zum Leben). Der Begriff "Queer" kann als Überbegriff für die Bezeichnungen schwul, lesbisch, bisexuell, transgender gesehen werden. Heute besagt ...

Das war Cannes 2009: Buhrufe, Lachen und angeregte Diskussionen

67 Jahre musste Regisseur Michael Haneke warten, um den glücklichsten Moment seines Lebens zu genießen. Zumindest war dies Inhalt seiner Dankesrede, die er nach seiner Auszeichnung mit dem höchsten Filmpreis von Cannes hielt. Und nach solch einer Auszeichnung will jeder etwas von dem Kuchen abhaben und plötzlich ist Haneke in den Medien mal Deutscher, mal Österreicher. Auch Christoph Waltz, ausgezeichnet als bester Darsteller, will plötzlich jeder gern für sein Land beanspruchen. Zumindest Charlotte Gainsbourg wird wohl schlichtweg Französin bleiben. Ausgezeichnet als beste Darstellerin mit einem französischen Preis in einer französischen Stadt von einer französischen Jurypräsidentin kann man nur noch sagen: „Vive la France“. Aber mal ehrlich: eigentlich ist es doch egal, woher ein Film oder seine Künstler stammen - schlussendlich zählt nur, was sie in uns auslösen und wie sie uns begeistern. Und diese herausfordernde Aufgabe haben alle Preisträger großartig gemeistert, wie wir finden. Nach diesem in den Medien geführten Staatsbürgerschaftsbashing wird es Zeit, sich die Sieger, die Aufreger und Verlierer von Cannes genauer anzusehen: Neben Charlotte Gainsbourg und Christoph Waltz als beste/r Darsteller/in wurde Brillante (es muss gesagt werden: ein genial brillianter Vorname) Mendoza für seinen Film „Kinatay“ als bester Regisseur ausgezeichnet. Den Preis der Jury konnten die Britin Andrea ...

Cannes 2009 – Auf der Jagd nach der Goldenen Palme (Teil 5): Langatmiges skalpieren

Zwischenbilanz Cannes: Zuerst der Gossip, um die Sensationslust zu befriedigen, die niemand gerne zugibt, aber dennoch sooo schön ist. Brad Pitt und Angelina Jolie sind entweder tatsächlich sehr gute Schauspieler oder an den Trennungsgerüchten ist nichts dran. Verliebt, knutschend und in eleganter, altrosa Robe eingehüllt (Angelina, nicht Brad) ließen sich die Beiden brav fotografieren, keine Zickereien, keine Bestätigung einer Krise. Bill Clinton versteigerte sein geliebtes Saxophon auf der Aids-Gala in Cannes für den guten Zweck. Sharon Stone führte durch die Show. Die Beiden sind ja bereits Profis für Aids-Charity-Events, auf dem Wiener Life Ball machten sie schon eine gute Figur. Und außerdem kam „Twilight“-Star Robert Pattinson zur Premiere von „Inglourious Basterds“. So, das muss vorerst die Tratschsehnsüchte befriedigen. Kommen wir zu den ersten Reaktionen aus den Kinosälen selbst. Wenn man auf einen Tarantino Film wartet, kann man unmöglich vermeiden, den aktuellen an seinen alten Werken zu messen. Und er hat die Messlatte hoch gelegt: "Pulp Fiction" oder "Kill Bill" bleiben in Erinnerung. Und dann sieht man „Inglourious Basterds“ – wird er in typischer Tarantino-Manier sein? Wird der Soundtrack wieder als Must-Have sämtlicher Studenten-WG's gehandelt? Werden es Zitate in den täglichen Sprachgebrauch schaffen? („I love you, Pumpkin....Everybody be cool, this is a ...

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