Filmkritik: In China essen sie Hunde

Dänemark ist gemessen an seiner Größe nur halb so groß wie Österreich (wenn man Grönland mal außen vor lässt), hat nur knapp 5 Millionen Einwohner, hat der Welt viele bunte Steine in Form von Lego gebracht und scheint auf den ersten Blick ein Land voller freundlicher, netter Menschen zu sein. Doch scheinbar braucht diese Idylle ein filmisches Ablassventil, das sich in schwarzem Humor, Wortwitz, meist viel Blut, innovativem Erzählstil und einer skurrilen Rahmenhandlung widerspiegelt. So zählen dänische Filmexporte wie "Nachtwache", "Adams Äpfel", "Dänische Delikatessen", "Wilbur Wants To Kill Himself" oder auch alle Werke der beiden Dogma-Begründer Thomas Vinterberg und Lars von Trier bereits seit Jahren zu den Vorzeigeproduktionen des europäischen Kinos und sorgen auch international für Aufsehen (wir erinnern uns an Lars von Triers "Antichrist"-Diskussion in Cannes). Lasse Spang Olsen hat 1999 mit "In China essen sie Hunde", basierend auf einem Drehbuch von Anders Thomas Jensen, eine bluttriefende Gangster-Actionkomödie mit rabenschwarzem Humor geschaffen, deren derber Wortwitz und finales Massaker sich durchaus mit Werken von Quentin Tarrantino messen lassen kann. Der Bankangestellte Arvid (Dejan Cukie) ist ein notorischer Langweiler, dessen durchgeplantes, spannungsarmes Leben als Bankangestellter von seiner Freundin Hanne nur noch hämisch beäugt wird. Sein Leben ändert sich jedoch schlagartig, als er einen Bankräuber ...

Locarno 09: Wettlauf um den Leopard

Die Schweiz öffnet im August die Tore des Kanton Tessin für die mittlerweile 62. Auflage des Filmfestivals von Locarno. Einen 10 Tage langen Filmmarathon haben Regisseure, Produzenten, Zuschauer und Journalisten ab dem 5. August vor sich, bevor an der Ziellinie der Goldene Leopard verliehen wird. Über ein Dutzend Kategorien von „Anime Now“ über den „Internationalen Wettbewerb“ bis zu „Swiss Film Rediscovered“ sorgen für ein breitgefächertes Angebot. Vor allem der Autorenfilm hat in Locarno eine lange Tradition. In den umfangreichen filmtheoretischen Debatten in Deutschland vor 1914 wurde der Begriff „Autorenfilm“ in einem anderen als dem heutigen Sinne gebraucht: Autorenfilme nannte man jene Filme, die einen Bezug zu einem möglichst renommierten literarischen Autor hatten - entweder als Originaldrehbuch eines Schriftstellers oder als Adaption eines literarischen Werkes. Mittlerweile bezeichnet der Autorenfilm eine Gattung Film, in denen der Regisseur sämtliche künstlerischen Aspekte des Drehbuches oder Schnitt wesentlich mitbestimmt und als alleiniger Autor des Werks angesehen werden kann. Neben Autorenfilmen liegt dieses Jahr ein besonderer Schwerpunkt auf japanischen Trickfilmen, kurz "Anime". Sechs ausgewählte Filme aus dem fernen Osten, die meisten davon brandneu, werden dem Publikum in Locarno vorgeführt. Darunter auch der neueste Streich von Studio Madhouse, "Mai Mai Miracle". Regie führte Sunao Katabuchi, der früher mit Anime-Legende ...

Biennale 09: In Venedig wird nach dem Goldenen Löwen gebrüllt

Zuerst ein Oscar-Nominierung für „Revanche“, dann die Goldene Palme für „Das weiße Band“ und nun beginnt der Kampf um den Goldenen Löwen. Bemerkenswert, dass mit sechs Produktionen aus Österreich eine relativ große Dichte vertreten ist. Die 66. Biennale geht vom 2. bis 23. September 2009 in Venedig über die Bühne. Keine Sorge, wer nicht selbst Richtung Süden gondelt, erfährt alles Wissenswerte hier auf flimmit.  Das Filmfestival ist Teil des enormen Biennale-Aufgebots und jedes Jahr schippern Promis, Künstler und Adabeis gen Süden, um sich den Kampf um den Goldenen Löwen nicht entgehen zu lassen.  Es gibt insgesamt sechs Kategorien in der offiziellen Ausscheidung: „Venezia 66“ (Wettbewerb), Außer Konkurrenz, „Horizonte“ (Orrizonti), Kurzfilme, Italienische Filme und „These Phantoms“: Italian Cinema Rediscovered. Zudem gibt es zwei Independent Kategorien: „International Critics Week“ und „Venice Days“. In der Hauptkategorie gibt es auch dieses Jahr einige Filme, die frischen Wind in die Filmindustrie bringen. Regisseur Werner Herzog lässt Nicholas Cage in „Bad Lieutenant“ als drogensüchten Cop gerne mal Bestechungsgelder in der Hitze Louisianas annehmen. Und auch ein österreichischer Film hat es in die Endausscheidung geschafft: Jessica Hausner’s „Lourdes“. „Kranke und Sterbende aus aller Welt fahren nach Lourdes, um doch noch gesund zu werden, sie hoffen auf ein Wunder, weil ...

Pages: Prev 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Next